Vermessene Realitäten – Kartografische Konstruktionen von Wirklichkeit

Im Sommer 2022 untersucht der Bund Bildender Künstler Leipzig e.V. in seinem Projekt „Vermessene Realitäten“ Ortsbeziehungen und Gefüge im Kulturraum Leipziger Raum. Ausgehend von den kursächsischen Postmeilensäulen beschäftigen sich bildende Künstler:innen mit Fragestellungen wie den Beziehungen zwischen Zentrum und Peripherie, individueller Erfahrung und statischer Repräsentation sowie Aspekten der Kritischen Kartografie.

Noch heute sind überall in Sachsen verteilt kursächsische Postmeilensäulen zu finden. Die Wegmarken sind Ergebnis einer vor 300 Jahren erfolgten, erstmalig systematischen Vermessung Sachsens durch Adam Friedrich Zürner. Beauftragt vom Sächsischen König August dem Starken fertigte Zürner im Zuge der Vermessung auch Kartenmaterial der kursächsischen Gebiete an. Diese exakte topografische Erfassung bedeutete eine Revolution für das Post-, Verkehrs und Kriegswesen im Kurfürstentum.

Damals wie heute stellen die vermeintlich neutralen Karten nie eine objektive Abbildung der Realität dar. In ihrer Darstellung muss vereinfacht, priorisiert und ausgeschlossen werden –mit der Reduktion von Komplexität geht jedoch auch immer eine Konstruktion der Wirklichkeit einher. Wessen Realität zeigen sie? Welche Perspektive wird eingenommen? Was wird wie dargestellt? Was erhält einen Platz auf der Karte? Wem nützen sie? Karten sind immer Ausdruck und zeitgleich auch Produzent von sozialen Strukturen, zeigen Deutungshoheiten und Machtverhältnisse.

Ausgehend von diesen und weiteren Fragestellungen hat der Bund Bildender Künstler Leipzig e.V. dieses Projekt initiiert und ausgeschrieben. Eine Jury, bestehend aus Sebastian Miklitsch (Kulturraum Leipziger Raum), Martin Buhlig (Künstlerischer Projektleiter) Tobias Rost (Vorstandsvorsitzender BBK Leipzig e.V.), Franziska Möbius (Stellvertretende Vorstandsvorsitzende BBK Leipzig e.V.), Christiane Werner (Geschäftsführerin BBK Leipzig e.V.) wählte drei künstlerische Projekte aus, die in den folgenden Wochen realisiert und am 24. September dem Publikum präsentiert werden.

Alle drei Positionen eint das prozesshafte, temporäre, flüchtige – verschiedene Strategien der Annäherung an ländliche Räume, die punktuell an den jeweiligen Orten erlebbar werden und auf digitaler Ebene zusammenfinden. Die künstlerischen Interventionen und Recherchen laden ein zur Erkundung jenseits der scheinbar festgeschriebenen Wege und geben Anlass zum Nachdenken über Konstruktionen von Wirklichkeit und ihre räumlichen Beziehungsgefüge.

Auf einem Blog lassen uns die Künstler:innen am Projektprozess teilhaben.

Abschlusspräsentation: 24.09.2022 ab 14 Uhr, An der Postsäule Wurzen, Wenceslaigasse

Teilnehmende Künstler:innen: Marcus Große & Ina Weise, Catherine Sanke & Luzia Rux, Juliana & Andrej Vrady

Projektleitung: BBK Leipzig e.V.

Künstlerischer Projektleiter: Martin Buhlig

BBKL