Einladungskarte

6+1 Künstler/innen

Bozen / Südtirol (Italien)

Galerie Prisma

9.02. – 23.02.08

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2008

2007

2006

6+1 Künstler/innen

Künstler

Christine Ebersbach
Jörg Ernert
Christa Jahr,
Roland Meinel,
Michael Möbius
Günter Albert Schulz
Marita Schulz

Austausch

Sechs + Ein Leipziger Künstler

zu Gast im Südtiroler Künstlerbund

Herzlich Willkommen liebe Leipziger Künstler, willkommen dem 2.Vorsitzender des Bundes Bildender Künstler Leipzig und Leiter der Galerie VORORTOST, Herrn Bagehorn, , ich begrüße Sie liebe Gäste.

Ich möchte dem Südtiroler Künstlerbund danken, Präsidentin Frau von Aufschnaiter, dass Sie den Künstleraustausch in ihr Programm aufgenommen haben und besonders auch der Geschäftsführerin Lisa Trockner für die logistische und finanzielle Unterstützung bei der Organisation der heute stattfindenden ersten Ausstellung des Austauschprojektes.

Leipzig, ist bekannt als Buch-, Messe- und Musikstadt hat mittlerweile auch ein international anerkanntes und erstrangiges Zentrum der Bildenden Kunst.

Die so genannte Leipziger Schule und deren Nachfolgerin, die neue Leipziger Schule repräsentieren heute eine eigene Strömung in der zeitgenössischen Malerei.

Während sich im Westen in den 50er Jahren die abstrakte Malerei, später Op-Art, Pop-Art, Hyperrealismus usw. entwickelten und allgemein eine Abkehr von der gegenständlichen Malerei einsetzte, passierte ab den 50/60er Jahren in Leipzig etwas vollkommen anderes, eigenständiges.

Es ist übrigens ein Witz der Geschichte, dass gerade im kommunistischen System der DDR, dass mit allen Traditionen und Werten brach, die klassischen Maltraditionen hochgehalten und weiterentwickelt wurden und dies schließlich mit zu einer allgemeinen Rehabilitierung und neuen Wertschätzung der gegenständlichen Malerei führte.

Zur heutigen Ausstellung:

Mein Kontakt zu den Künstlern entstand während meiner Magisterarbeit, die ich vor einigen Jahren über Leipziger Künstler Günter Albert Schulz geschrieben habe. Der Kontakt zu Günter Albert und seiner Frau Marita ist auch nicht abgebrochen als ich aus Leipzig weggezogen bin um hier in Bozen zu leben. Diese sehr private Verbindung hat auch immer den Blick auf die Kunstszene in Leipzig wach gehalten. Und zugleich habe ich mir in Südtirol die Künstlerwelt angeschaut. Aus dieser schönen persönlichen Erfahrung: das Kunstschaffen an zwei ganz verschiedenen Orten verfolgen zu können, ist die Idee des Austauschs entstanden.

Die heute hier in der Ausstellung mit Werken vertretenen und teilweise auch selbst anwesenden Künstler bilden einen Freundeskreis, der über private Kontakte, Lehrtätigkeiten, gemeinsame Ausstellungen usw. entstanden ist.

Sie sind also keine Künstlergruppe im engen programmatischen Sinn mit Manifest und Gruppenstil sondern sie repräsentieren vielmehr einen Querschnitt durch das reiche Kunstschaffen der Stadt Leipzig und auch über mehrere Künstlergenerationen hinweg.

Im Folgenden möchte ich kurz die in der Ausstellung vertretenen Künstler vorstellen.

Günter Albert Schulz interessierte sich vor allem für die Kunst der Moderne, dem zu DDR-Zeiten nicht leicht nachzukommen war. Sein Schaffen war immer von einer ihm eigenen innewohnenden Inspiration geprägt. Drei große Phasen lassen sich erkennen…

Landschaft und Interieur als Spiegelung von Zuständlichkeit und Weltverhältnis des Menschen, danach kam die immer stärkere Reduzierung auf die menschliche Gestalt, den unbekleideten Körper und damit auf das unmittelbare und nicht versteckte oder verleugnete Menschsein. Darüber und über seine lebenslange Auseinandersetzung mit dem Geheimnis von Form und Farbe ist der Maler in seinem Spätwerk zur Abstraktion gelangt.

Marita Schulz, seine Ehefrau, war seine Studentin. Neben freiberuflicher künstlerischer und kunstpädagogischer Tätigkeit beschäftigt sie sich mit künstlerischen Techniken, die ihre Wurzeln in kunsthandwerklichen Praktiken haben, aber ihr eigentliches Metier ist die Sprache der Farbe. Über die Farbe wird die Körperlichkeit bestimmt, zugunsten der Farbe erfolgt eine Reduktion der Form. In der Farbigkeit spiegeln sich die starken Emotionen wieder. Zentrales gestalterisches Anliegen (Thema) ihrer künstlerischen Arbeiten sind Kopfdarstellungen. Die Köpfe sind frontal gegeben, dem Betrachter zugewandt, sie blicken ihn aus geöffneten Augen direkt an.

Besonders geheimnisvoll, undurchdringlich und rätselhaft sind die blicklosen Köpfe.

Die wohl häufigsten Motive der Aquarelle, Ölbilder und Holzschnitte von Christine Ebersbach sind Landschaften. In ihrer Malerei wird die Unmittelbarkeit des Eindrucks, der in den Aquarellen zu finden ist, zurückgedrängt zu in sich geschlossenen Stimmungsräumen. Ihre Urformen der Landschaft sind weit, menschenleer, vegetationsarm mit hohen Horizonten. Die reduzierten Landschaften lösen sich in Farbflächen auf. In den Holzschnitten setzt sich die strenge und verknappende Formenhaltung fort ohne an Poesie zu verlieren. Der künstlerische Dialog mit der Landschaft artikuliert das subjektive Selbstgefühl der Künstlerin ebenso wie ihr zeitbedingtes Naturgefühl.

Christa Jahr ist Grafikerin und Buchillustratorin und hat bisher über 30 Bücher illustriert.

Der Erfolg als Buchillustratorin gründet sich auf ihr Einfühlungsvermögen hinsichtlich des literarischen Stoffes. Den gestalterischen Absichten sehr entgegenkommend erweisen sich die Techniken des Holzstiches und des Holzschnittes. Ihre Vorliebe gilt den Fabeln, Sprichwörtern, dem Volksmund, märchenhaft skurrilen, humoristisch-satirischen und auch grotesken literarischen Vorlagen.

Dort werden Jahrs Absicht und Fähigkeit deutlich, menschliche Fehler und Charaktergebrechen bloßzulegen und sichtbar zu machen. Dabei ist ihre Sprache herb-empfindsam, hintergründig-humorvoll, auch ironisch, gar satirisch, nie ätzend und verletzend. Die realistische und phantasievolle Fabulierkunst bis zur vom Dichterwort herausgeforderten grotesk satirischen Überhöhung – sie ist gleich bleibend originell und frisch in der Bildfindung.

Neben Einzelarbeiten ist auch ein Gemeinschaftswerk der drei eben vorgestellten Künstlerinnen in dieser Ausstellung zu sehen.

Günter Albert Schulz, mit seiner ausgesprochen formbewussten auf das wesenhafte zielenden Malkultur war einer der Lehrer von Michael Möbius. Aus einer Idee entstehen prozesshaft Möbius Bilder. Sie verselbständigen sich nach eigenen Gesetzen. Herb und karg, auf wenige schlichte große Formen zurückgeführt sind die Motive seiner Landschaften, Stadtansichten und Stillleben. Die einfache Wahrheit des Empfindens spiegelt sich in der zähen pastosen Rauheit der Bilder, in denen die existentiellen Dinge eine eigentümliche Melancholie ausstrahlen. Gegenüber der tektonisch disziplinierten Malerei steht die gestisch freie Zeichnung des Künstlers.

Seine Akte sind kraftvoll und energiegeladen. Der zumeist ungebrochene Ton ist kontraststark in die Leere des Papiergrundes gesetzt.

Wie Michael Möbius wurde auch Roland Meinel von Günter Albert Schulz unterrichtet. Was Roland Meinel entwirft, ist geprägt von Gesetz und Zufall sowie von plötzlicher oder stetiger Veränderung. Das Ordnungsprinzip setzt sich durch oder unterliegt.

Die den Einzelbildern innewohnende Veränderung wird mit Zufallserscheinungen konfrontiert, Abfolge und Wandlung sind das Ergebnis. In den handgeschöpften Papieren stellt das manuelle Handwerk und das natürliche material mit seinen Wirkungen und Zufälligkeiten, Überlagerungen und unvorhersehbaren Ergebnissen die Ganzheit von Natur und Mensch, von gestalterischem Kalkül und spontaner Handlung wieder her.

Jörg Ernert erhielt von Marita Schulz in jungen Jahren und bis zum Eintritt in die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig eine sehr gute malerische Ausbildung. Ausgangspunkt seiner Malerei ist die sichtbare, verfügbare Welt, insbesondere der urbane, gebaute Raum. In den Motiven Fabrikhalle,Turnhalle oder Straßenbahn, auch in seinen Nachbildern beispielsweise zu Delacroix, kommt seine eigene Sicht zum tragen. Die Farben sind intensiv, die Pinselführung kraftvoll, die Arbeit spontan und impulsiv, die Bilder im Ergebnis von unglaublicher Harmonie und Intensität. Zeichnerische Details tauchen aus dem Zwielicht hervor. Das Zusammenwirken von Licht, Form und Farbe in den Bildern von Jörg Ernert ist voller Magie und Energie.

Carmen Brauns

Ausgewählte Arbeiten


Günter Albert Schulz


Marita Schulz


Christine Ebersbach


Michael Möbius


Jörg Ernert


Roland Meinel

Bilder der Ausstellungseröffnung


Carmen Brauns, Hans Bagehorn und Helga von Aufschnaider (v.l.n.r.)

Pressestimmen


Tageszeitung 31.1.2008


IN Südtirol 7.2.2008


Z 17.2.2008

Weitere Informationen

beim Künstlerbund Bozen