Einladungskarte

27.10. - 25.11.2012
Leipziger Herbst 2012

Malerei, Graphik, Plastik, Objektkunst
Ausstellung des Bundes Bildender Künstler Leipzig e. V. in
Kooperation mit dem Bund Bildender Künstler Vogtland e. V.

Projektraum des BBK Vogtland e. V.
Theater Plauen
Galerie im Malzhaus

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Leipziger Herbst 2012

Gefördert durch:

Projektleitung: Lutz Hirschmann

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler aus Leipzig

Bergmann, Eva-Maria | Binder, Heinke | Borchers, Roland |Degelow, Frank | Dorschfeldt, Eberhard | Dünki, Renè |Ebersbach, Christine | Ebersbach, Wolfram |Eggimann, Marianne | Fauck, Patrick | Francik, Gabriela |Fritzsche, Philipp | Haring, Ute | Henne, Wolfgang |Henniges, Thomas | Hertel, Bernd | Hirschmann, Lutz |Howey, Elisabeth | Huniat, Günther | Kavtea, Ivan |Kerekes, Dana | Klauß, Eberhardt | Le Landais-Biel, Ulla |Marx, Stephanie | Mehler, Petra Natascha | Müller-Simon,Gerald | Neubert, Franziska Pietschmann, Karin | Raiber,Jürgen | Reiter, Christina | Richter, Dirk | Rochhausen,Angelika | Rost, Tobias | Schmidt, Karl-Heinz | Schorcht,Michael (Gast) | Schott, Mario | Schuckmann, Ulrike |Strege, Jürgen | Tangermann, Frank | Voigtländer, Stephan |Werdin, Susanne | Werner, Christiane | Yxxs, Hael

Flyer (PDF)

Leipziger Herbst 2012

"Wer von seiner Kunst leben will, braucht Interessierte, welche die Kunst zu schätzen wissen und sie erwerben. Hier setzt die Arbeit des Bundes Bildender Künstler Leipzig e. V. an."
Heinke Binder

Die Aussage der ehemaligen Vorsitzenden des BBKL e. V. ist kein Credo auf Zeit. Es beinhaltet die immerwährende Verpflichtung den Künstler und seine Arbeit zu vermitteln. Das ist eine beständige Aufgabe, die in die gesamte Gesellschaft hinein zu tragen ist. Wohl wissend, dass zwischen der Akzeptanz der bildenden Künstlerin und des Künstlers an sich und die Anerkennung ihrer oder seiner Arbeit, ein Dickicht unterschiedlichster Interpretationen die Realität ist. Die bildenden Künstlerinnen und Künstler sind Teil des Gemeinwesens. Die Kunst hat in diesem Gemeinwesen einen Eigenwert, der sich jeglicher Messbarkeit und ökonomischer Betrachtungsweise entzieht. Bildende Künstler/innen sind – mit aller Vorsicht formuliert –Menschen, die zugleich individuell sind und doch nah bei ihresgleichen bleiben wollen.

Sie entwickeln daher neue oder ganz andere Ausdrucksformen, die dem Menschen sichtbar helfen können, einen Zugang zu ihrem eigenen Selbst innerhalb der jeweils existierenden Gesellschaft zu finden. Dieser immerwährende Dialog braucht Foren, Foren auf Augenhöhe. Ein Forum bietet die Ausstellung. Sie ist die Zusammenfassung unterschiedlichster individueller Positionen, die mit bildkünstlerischen Mitteln unverdrossen den Dialog anbieten – den Zugang zum Rezipienten suchen. Der Absender dieses Dialogangebots ist im Titel der Ausstellung genannt, auch die Jahreszeit in der diese Ausstellung eröffnet und gezeigt wird, ist bewusst ausgezeichnet.

Der Herbst ist die Zeit der Ernte - ihrer sichtbaren Vorführung und beinhaltet gleichzeitig die Verpflichtung zum Nachwachsen; der Künstlerischen Leistung. Die Jahreszahl dient der Gegenwart. Gegenwärtiges erfährt seine Fortsetzung, die zu einer neuen sichtbaren Vorführung der Ernte in einem neuen Jahr führen wird. Es ist der Gastgeber, der BBK Vogtland e. V., die in Leipzig die Fortsetzung des Dialoges bestreiten werden.

Wir, der Bund Bildender Künstler Leipzig e. V., bedanken uns für die Einladung nach Plauen zu kommen – bei dem Vorstand des BBK Vogtland e. V. und seinem Vorsitzenden Erik Seidel, ohne dessen tatkräftiges Engagement, diese Ausstellung nur eine Idee geblieben wäre.

Lutz Hirschmann, Bildender Künstler, Vorsitzender des BBKL e. V. und Mitglied des Bundesvorstandes BBK

Leipziger Herbst 2012

- das klingt nach Aufbruch! Nach friedlicher Revolution und Neuanfang. Nur stimmt irgendetwas nicht: die Jahreszahl. Oder stimmt sie doch?

Liebe Revoluzzerinnen und Revoluzzer, liebe Konservative, liebe Resignierte, liebe Beobachtende und liebe Mitmischende, liebe Alte, liebe Junge und liebe Mittlere, liebe Schweigende und liebe Beredte, liebe Zuhörende!

Die Jahreszahl stimmt. Nur geht es in diesem „Leipziger Herbst“ nicht um die Geschicke eines Staates, sondern vielmehr um das Geschick, einen Staat zu machen, und zwar hier, mitten in Plauen. Und das ganz friedlich. Weder mit Schwertern noch mit Pflugscharen oder Kerzen, auch nicht mit prunkvollen Gewändern, sondern mit Bleistiften und Pinseln, mit Radiernadeln und Schnitzmessern, mit Schlägeln, Hämmern, Schraubenziehern, Zangen, Schleifsteinen, Filzstiften und so weiter. Wie das gehen soll: damit einen Staat zu machen?

Die Revolutionen jedenfalls haben schon längst stattgefunden – dieses Jahr, letztes Jahr, vorletztes Jahr, ja, fast jedes Jahr zurück bis ausgerechnet 1989! Sie haben nicht auf der Straße stattgefunden, sondern in den zunächst stillen Winkeln alter Fabrikgebäude, unscheinbarer Wohnungen oder abgelegener Werkstätten in Leipzig und Umland. Nur ein Mensch war jeweils dabei und hat es mit eigenen Ohren gehört: das Aufheulen und das Geschrei einer Sägemaschine, das Gejammer eines Bohrers, das Gestöhne von Schleifpapieren, das Gequietsche von Filzstiften, das Geschmatze einer – vielleicht blutroten - Farbwalze oder den erschreckten Aufschrei aus eigenem Munde. Doch Blut ist höchstens aus Versehen geflossen, Herzblut hingegen mit voller Absicht. Eigenes Herzblut zeichnet den Kampf, der weder gegen noch für, sondern um etwas ausgerichtet wird, darum nämlich, etwas neu sichtbar zu machen.

Und das ist, denke ich, allen, die ihre Operationen, ihre Opera hierher geschickt haben, um sie zur Schau zu stellen, gemein: dass sie sich ein Bild zu machen versuchen – auch, wenn es eine Plastik ist oder ein Objekt oder eine Installation – ein Abbild: ein Abbild von dem, was ihnen vorschwebt und was für sie das Zentrum bildet. Das Zentrum, um das sie sich – mit ihren Werkzeugen – bewegen wie die Erde um die Sonne. Immer wieder neu. Mal kommen sie ihm näher, diesem Zentrum, mal entfernen sie sich wieder von ihm. Das, was ihnen vorschwebt, bindet sie zugleich und hält sie auf ihrer Bahn – auf ihrer ellipsenförmigen Bahn um etwas, dessen Strahlung ihnen ihr Leben überhaupt erst ermöglicht. Sie lassen sich binden und vorwärts bewegen von einer Schwerkraft, die sie auf Abstand hält und die etwas vor ihnen - und vor uns - verbirgt: nämlich ihre Sichtbarkeit. Sie zu entbergen ist das Ziel des Kampfes zwischen denen, die schon etwas sehen, und dem, was noch gar nicht zu sehen ist – also zwischen Vorstellung und Erscheinung. Wenn es gelingt, durch eine neue Darstellung etwas – was übrigens vielleicht schon ganz alt ist – in das Hier und Jetzt hinein zu entbergen und sichtbar zu machen, dann ist das eine Revolution.

Aber mit solch einer Revolution ist doch kein Staat zu machen! Auch nicht mit 171 solcher „Revolutionen“! Oder?

Der Begriff „Staat“ kommt aus dem lateinischen status, was zuerst einmal ‚Stehen’ bedeutet und: Stand, Wuchs, Zustand, Umstände, Stellung, Beschaffenheit, Lage und Wohlstand. Hat also das, was hier sichtbar gemacht worden ist, einen Einfluss auf den Stand, auf die Haltung derer, die sich das angucken? Und hat das, was wir tun – und jetzt spreche ich von „uns“ und meine damit alle diejenigen, die im Rahmen von Höhe mal Breite mal Tiefe immer wieder solch einen Neuanfang versuchen – hat das einen Einfluss auf unsere Haltung und auf unsere Lage?

Liebe Plauenerinnen und Plauener, bemerken Sie, wenn Sie durch diese Ausstellung gehen, eine Änderung Ihres Zustandes? Wenn ja, frage ich Sie: Was für ein Staat könnte oder sollte das also sein?

Und das Gleiche frage ich uns: HLX, Christiane Werner, Stephan Voigtländer †, Frank Tangermann, Jürgen Strege, Ulrike Schuckmann, Mario Schott, Michael Schorcht, Karl-Heinz Schmidt, Tobias Rost, Angelika Rochhausen, Dirk Richter, Christina Reiter, Jürgen Raiber, Karin Pietschmann, Franziska Neubert, Gerald Müller-Simon, Petra Natascha Mehler, Stephanie Marx, Ulla Le Landais-Biel, Eberhardt Klauß, Dana Kerekes, Ivan Kavtea, Günther Huniat, Elisabeth Howey, Lutz Hirschmann, Bernd Hertel, Thomas Henniges, Wolfgang Henne, Ute Haring, Philipp Fritzsche, Gabriela Francik, Patrick Fauck, Marianne Eggimann, Wolfram Ebersbach, Christine Ebersbach, Renè Dünki, Eberhard Dorschfeld, Frank Degelow, Roland Borchers, Heinke Binder und Eva-Maria Bergmann.

Und ich frage es mich selbst: Um welche Macht – und Macht worüber – geht es hier eigentlich? Und um welches Territorium? In welchem Territorium bewegen wir uns, wenn wir in unseren Leipziger Ateliers wie die Erde um die Sonne kreisen – scheinbar frei, doch fest gebunden? In welchen Raum, in welche Herrschaftsform können wir Sie, liebe Plauenerinnen und Plauener, – sofern Sie es wollen – mitnehmen, wenn wir hier etwas zeigen von unseren stillen Kämpfen? Jedes Werk wird eine eigene Antwort darauf geben und, vielleicht, auch neue Fragen stellen. Stellen auch Sie Ihre Fragen, und geben Sie uns Ihre Antworten.

Susanne Werdin

Bilder der Ausstellungseröffung