Einladungskarte

Anknüpfungspunkte

Als die Teppiche fliegen lernten
Wurzen 2011

Kunst im öffentlichen Raum

Projekt des Bundes Bildender Künstler Leipzig e.V.

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Anknüpfungspunkte

Als die Teppiche fliegen lernten

Wurzen 2011

Ein Projekt des Bundes Bildender Künstler Leipzig e.V.
Gefördert durch die Stadt Wurzen und den Kulturraum Leipziger Raum
Realisation 2009 – 2011

Projektleitung: Franziska Möbius

mit freundlicher Unterstützung der Firmen:
-InBit gGmbH Wurzen
-Macherner Grünprofis
-Ziegelei Huber
-BSW Muldental
-Bauunternehmen Klaus Mosch GmbH & Co. KG
-ESTAG Edelstahl AG Leipzig
-Manfred Seidel Baubetrieb
-Bauhof Wurzen
-Die Stadtwandler - Verschönerungsverein Wurzen e.V.

Beteiligte Künstler

Heinke Binder
Frank Brinkmann
Philipp Fritzsche
Franziska Möbius
Christiane Werner

Intro

Erinnerung ist eine Erscheinungsform der Müdigkeit, des Innehaltens, der Langsamkeit, des Rückwegs, der Melancholie verlorener Ganzheiten, deshalb ist sie unverzichtbar.

Matthias Flügge (2005): Teppiche, in: Nicoletta Nelken (2005): „Ulrich Reimkasten - Zeichnung, Tapisserie, Malerei“, S. 31.

Hintergrund

Die ehemalige Wurzener Teppichfabrik mit ihren Glanzzeiten in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren die Anknüpfungspunkte für die fünf Kunstinstallationen im Stadtraum von Wurzen. Die Produktion der europaweit sehr erfolgreichen Wurzener Teppiche wurde 1996 eingestellt - doch das Können der einst dort arbeitenden Menschen ist noch vorhanden. Zahlreiche noch vorhandene Musterbücher, Zeichnungen und Entwürfe aus der gesamten Produktionszeit zeugen von der Vielfalt an bildnerischen Ideen im jeweiligen Zeitgeschmack der Jahrzehnte. Sie waren die hauptsächlichen Anregungspunkte für die Installationen. Für Wurzen ist das verwaiste Produktionsgebäude ein Denkmal abgeschnittener Traditionen, an die dieses Kunstprojekt langfristig erinnern möchte.

Orte

In Wurzen entstanden durch Häuserabriss viele Lücken in der historischen Bausubstanz, die zu Leerplätzen mit freistehenden Giebelwänden führten. Einige diese Seitenwände, aber auch die Baulücken selbst, wurden nach ihrer Prägnanz im Stadtbild ausgewählt und unter dem thematischen Gesichtspunkt der ehemaligen Teppichfertigung gestaltet. Dabei wurden nicht nur die „schönen“ Orte ausgesucht, sondern auch jene, deren verborgene Schönheit es erst zu zeigen galt.

Realisation

Durch einen einstufigen Ideenwettbewerb wurden fünf Entwürfe zur Realisation empfohlen. Die Jury setzte sich aus Vertretern der Stadt Wurzen und Künstlern des BBKL zusammen:
Kathrin Gehres-Kobe (Kulturausschuss, Wurzen)
Ute Hartwig-Schulz (Künstlerin)
Hartmut Krause (Architekt, Wurzen)
Natascha Mehler (Künstlerin)
Uta Moltrecht (Kulturbetrieb Stadt Wurzen)
Carl Rößler (Stadtverwaltung, Wurzen)
Hael Yxxs (Künstler)

Kunstwerke

Heinke Binder

Kleiner Garten für Rosa Marie

Am Fuße des Dombergs liegt eine kleine Grünfläche,die mit Holunder, Birnbäumen und einem Ahorn bestanden ist. Dieser kleine Flecken ist für den Platz wichtig – auch dass er als Garten erhalten bleibt. Ich würde gerne diese Fläche mit einer Mauer fassen,auf deren Krone man sich auch setzen kann. Aber nicht eine schnurgerade Klinkermauer, sondern eine geschwungene mit einem eingewirkten Muster wie ein Perlenarmband. Mauerverbände lassen mit einfachen Mitteln ähnliche Muster zu wie geknüpfte Teppiche und aufgefädelte Perlen.
Über diesen Umweg des Mauermusters möchte ich eine kleine Erinnerung an Rosa Marie Bötticher schaffen. Ringelnatz` Mutter beschäftigte sich mit derPerlenstickerei. Ein wenig mit Strauchrosen undBlumenzwiebeln nachgepflanzt und die Bäume etwasbeschnitten, könnte dieser Ort zu ihrem kleinen Garten werden.

Färbergasse / Rosenthal, 04808 Wurzen
Höhe ca. 50 cm

Frank Brinkmann

Belesen – Ausnähen worauf wir stehen

Diese sozialisierte Kunst in der Stadt Wurzen ist eingemeinsames Ergebnis von 140 Menschen. Schüler und Erwachsene verschiedener Altersgruppen waren involviert. Als Akteur und Rezipient in einer Person wird der Arbeitsprozess zum Bestandteil der persönlichen Interpretation und Einflussnahme auf das öffentliche Resultat. Multiplikation in den Familien, Schulen und Vereinen verankert diese Auseinandersetzung mit der Design- und Industriegeschichte der Stadt in einem Querschnitt der Bürgerschaft. Die Vielzahl der Standorte verschiedener Mosaike läßt eine zufällige, unaufdringlich Begegnung imStadtgebiet zu.

Wenceslaikirchhof, 04808 Wurzen

Die Realisierung des Prozesses und die Anfertigung der Werkteile wurden unterstützt durch:
Kulturförderverein Schaddelmühle e.V.
Stiftung Soziokultur e.V.
Firma InBIT Wurzen
Lichtwer-Gymnasium Wurzen
Wallgrabenschule Grimma
Förderschule Burkartshain
Förderschule am Pulverturm Grimma
Keramikgruppe Naunhof
VHS Wurzen
Betreutes Wohnen Wermsdorf
Künstlergut Prösitz

Philipp Fritzsche

Teppichblüte

Eine der vielen "Blütezeiten" Wurzens war die Zeitder Teppichindustrie. Die Arbeit "Teppichblüte" soll ein Zeichen / ein Symbol dieser vergangenen Traditionin die Stadt tragen. Die Erinnerungen sollen mit dieser auch heiteren Arbeit aber keinen "Staub”anlegen, sondern in "Bewegung" bleiben. Es ist kein Gegenstand, der unmittelbar aus der Teppichfertigung stammt, sondern bewusst ein Objekt, das für Jeden eine Verknüpfung zum Teppich bietet. Das Material, Edelstahl, steht gegen Vergänglichkeit und für Erhalt und Bewahrung. Es ist ein gebogenes Rohr,das aus seiner Standsäule heraus nach drei schwungvollen Bögen (einen Dreipass bildend) in den Schaftzurückkehrt.

Domgasse 2, 04808 Wurzen
Größe: 3,80 m x 1,20 m x 0,30 m

Franziska Möbius

Der fliegende Teppich

In einer Freifläche in der Färbergasse hängt der Zauberteppich, der nur von einem Betrachtungspunkt aus als Ganzes zu sehen ist. Von allen andern Blickwinkeln aus sind es nur im Raum schwebende Bruchstücke, wie ein geheimnisvolles Puzzle, ein verwirrendes Spiel mit Anknüpfungspunkten. Die Installation bezieht sich auf die konkrete Historie der Wurzener Teppichfabrik und spielt mit Glanzzeiten, Vergänglichkeit und Illusionen - wenn sich die Versatzstücke der Erinnerung für einen Augenblick vereinen. Das Muster ist dem Teppicharchiv entnommen. Es war ein typisches Design aus der Produktionsphase der 60iger Jahre.

Färbergasse 10, 04808 Wurzen
Farbdruck auf Polymargewebe
Größe ca. 6 x 3 Meter

Christiane Werner

Anknüpfungspunkte

Harmonische Kreisflächen verweisen auf das „Unvollkommene“ der Orte und gestalten als große farbige Punkte Mauern und Orte, die an Vergangenes erinnern. Die ANKNÜPFUNGSPUNKTE wurden in Fresco -Technik mit Pigmenten auf frischen Kalkputz gemalt. Sie geben mit einem Blick auf verwaiste Nischen und Lücken Platz für neue Ideen - auch symbolisch als phantasievolle Öffnungen im Mauerwerk - die zukünftige Pläne frei legen.
Bewahren, Erinnern und Erneuern spielen bedachtsam in diesem Sinne mit Alt und Neu, mit Innen und Außen. Die Mauern bleiben bewusst in ihrer ursprünglichen Beschaffenheit.

Crostigall, Ringnatzgeburtshaus, 04808 Wurzen
Freskomalerei
Größe: je ca. 2 Meter Durchmesser

Fotos: Louis Volkmann