Einladungskarte

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Efim Kerzhner, Jakow Kerzhner, Ivan Kavtea
Von Generation zu Generation
Ölmalerei, Zeichnung, Aquarell

12.10. – 07.11.09

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Gefördert durch:

Begrüßung von Eta Zachäus zur Ausstellungseröffnung

Sehr geehrte Damen und Herren,
lieber Ivan Kavtea, lieber Efim, lieber Jakow,

Die Galerie VORORTOST des BBK Leipzig, legt diesmal die Betonung auf den Namensteil „Ost“ und stellt drei Künstler und Kollegen mit Migrationshintergrund vor.

3 Handschriften, 3 Techniken, 3 Sujets. Zwei der Künstler sind durch ihren Namen verbunden – Vater und Sohn. Alle drei verbindet, dass sie vor ungefähr einem Jahrzehnt nach Leipzig gekommen sind. Sie haben in unserer Stadt inzwischen eine neue künstlerische Heimat gefunden. Alle drei kamen aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion, haben aber eine unterschiedliche Herkunft. Efim, der Ältere und Jakow, der Jüngere stammen aus der Ukraine, aus Leipzigs ältester Partnerstadt Kiew.

Beide haben jüdische Wurzeln und sind heute sehr aktive Mitglieder der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Ivan Kavtea stammt aus Moldavien, aus Kishinjow. Schon in Moldavien und Rumänien ein anerkannter Künstler, ist er heute in der Kunstszene Leipzigs kein Unbekannter mehr.

Ich beginne mit dem Jüngsten der Drei. Jakow Kerzhner, geboren 1978, studierte nach einer Fachausbildung an der Gutenberg-Schule an der HGB in Leipzig bei Prof. Arno Rink und diplomierte dort erfolgreich im Jahr 2003. Auf der Suche nach der eigenen Identität und einer adäquaten, unverwechselbaren Ausdrucksform wandte er sich der großformatigen Zeichnung zu. Kernthema der Arbeiten ist die Darstellung religiösen, jüdischen Lebens, seines Alltags und seiner Besonderheiten. Begonnen mit dem 8. Tag, der „Brid Mila“, der Beschneidung der Knaben. Weiter: die „Chuppa“, die Zeremonie der Jüdischen Hochzeit. Das gemeinsame Gebet der Männer in der Synagoge und das Feiern des Shabbes. All ist heute wieder in Leipzig Teil des jüdischen Gemeindelebens.

Neben dem Feierlichen und dem Ernsten gibt es aber vor allem fröhliche Momente im Leben eines jeden Juden – deshalb auch immer wieder Tänzer und Musiker auf den Bildern von Jakow Kerzhner. Neben den großformatigen Arbeiten sind hier eine Reihe skizzenhafter kleiner Blätter zu sehen – alle jüngeren Datums. Sie dienen als Quelle einer thematischen Erweiterung und der Konzentration des Ausdrucks – ein Umbruch, der vor allem der Malerei zugutekommen soll und ein Weg, den der Künstler aktuell durchläuft.

Efim Kerzhner, Jahrgang 1948, absolvierte Ende der 60er, Anfang der 70er die Staatliche Kunsthochschule in Kiew. Danach war er freiberuflich und als Lehrer tätig. Die malerische Technik, mit der er in der Ausstellung hauptsächlich vertreten ist, ist das Aquarell – eine Technik, die heute nur noch selten bevorzugt wird. Seine Sujets stehen ganz in der Tradition, der hauptsächlich in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion gepflegten Malkultur – basierend auf den Strömungen der russischen Malerei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Landschaft und Stilleben mit einem klassischen Farbauftrag und der Suche nach Stimmungen. Impressionen der unmittelbaren Umgebung und der umgebenden Gegenstände. Dazu gehört zum Beispiel die „Challah“, das Brot zum Shabbat, das von Efim Kerzhner mit einer besonderen Liebe über eine darstellerische Akkuratesse gewürdigt wird. Wir treffen hier auf eine künstlerische Kultur, die in unserem hiesigen Umfeld seltsam vergangen anmutet, aber jenseits des Bug als Teil europäischer Kunst durchaus noch weiterlebt. Das Figürliche, das Gegenständliche und die kulturelle Grundprägung sind das Verbindende der drei hier ausstellenden Künstler. [...]
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Ivan Kavtea. Zur Eröffnung der Ausstellung in der Galerie VORORTOST

Yelena Inozemtseva

Der Maler Kavtea wurde in Moldowa geboren, er studierte bildende Kunst an der Repin-Fachschule in Kischinew. Danach arbeitete er mehrere Jahre als Dozent für bildende Kunst sowie als Maler für Dekorationen an einem Bauprojekt. Seit 1989 ist er freischaffend. Seine Bilder wurden in Moldowa, Russland, in der Ukraine, in Armenien, Türkei, Singapur, Bulgarien, Rumänien und auch in Deutschland ausgestellt. Seit 1999 lebt und arbeitet der Künstler in Leipzig, seit 2002 ist er Mitglied des BKK Deutschland.

Über die künstlerischen Fähigkeiten eines Malers spricht oft die Vielseitigkeit der Bildsprache seiner Werke. Diese Aussage trifft bei Ivan Kavtea völlig zu. Nicht nur verschiedene Gattungen, Techniken und Formate sind ihm vertraut, seine Bilder weisen auch verschiedene Stilmerkmale auf. Der Künstler wendet sich traditionellen Gattungen wie Landschaft, Porträt oder Stillleben zu, seine Stilpalette variiert aber von akademisch geprägtem Realismus bis zur reinen Abstraktion.

Doch bei all dieser Vielseitigkeit kann man schon von einer ausgeprägten „Handschrift“ des Künstlers sprechen, die sich leicht erkennen lässt. Die Mehrheit seiner Arbeiten tendiert zur Absage auf die Dinglichkeit, auf "die Erzählung" zugunsten der Ausdrucksmittel, die ausschließlich der Malerei eigen sind, hin. Das betrifft in erster Linie die Benutzung von Farben. Die Farbe ist das wichtigste tragende Element seiner Bilder, durch die Zusammenstellung von großen und kleinen Farbflächen wird der Bildraum rhythmisch organisiert. Es herrschen vor allem die „reinen“ Farben wie Rot, Gelb und Blau, doch diese Primärfarben werden durch neutrale Töne abgelöscht, so dass eine Harmonie der Farbbeziehungen entsteht. Beim Aufbau der Bilder werden bewusst Symmetrie und Assymetrie als wichtigste Mittel der Komposition verwendet. Sogar das Material des Kunstwerks, die Faktur, trägt zum Gesamteindruck bei: So wird z. B. die in der Farbschicht eingeritzte Künstlerunterschrift zu einem der malerischen Ausdrucksmittel.

Formal ist Ivan Kavtea von der armenischen Malerei, deren Hauptvertreter Martiros Sarjan und Minas Avetisjan sind, beeinflusst. Die besondere Leuchtkraft der Farbe, starke Kontraste sowie expressive Art der Pinselführung sind für die Vertreter der armenischen Schule charakteristisch. Als einen „Wendepunkt“ auf dem persönlichen Weg zur Abstraktion nennt der Künstler auch seine Auseinandersetzung mit dem theoretischen Erbe Wassilij Kandinskijs.

Doch Kavteas Bilder sind nie (oder fast nie) völlig gegenstandlos. Das Konkrete bleibt in seinen Bildern ständig präsent. Es spielt keine Rolle, ob es sich um die Leipziger Umgebung, um ein moldauisches Dorf oder bloß um ein Glass Tee handelt, das Objekt wird zu einem Inspirationsstoß, zu einem Anlass, ein neues Experiment zugunsten der Farbe und der Faktur zu realisieren. Die Gegenstände sind zwar bedingt, schaffen aber einen Bezug zur Wirklichkeit. Deswegen wirken Bilder von Ivan Kavtea nicht als „erdacht“, sondern verfügen über Lebenskraft und Wahrhaftigkeit.

Ausgewählte Arbeiten


Ivan Kavtea, o.T., Acryl auf Leinwand, 2009 (www.kavtea.de)


Ivan Kavtea, Obstbäume, Öl auf Leinwand, 2009


Jakow Kerzhner, Freude, Kohlezeichnung, 2009


Jakow Kerzhner, Tanz, Kohlezeichnung, 2003


Efim Kerzhner, Stilleben mit Wassermelone, Öl auf LW, 1992


Efim Kerzhner, Frühlingsstilleben, Gouache, 2001

Bilder der Ausstellungseröffnung