Einladungskarte

Korrelationen III - Vom Schönfärben

Maria Köhler und Petra Natascha Mehler

Textil, Malerei, Druckgrafik

13.01. – 15.02.2006

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Korrelationen III - Vom Schönfärben

»Vom Schönfärben« - eine Aufklärungsveranstaltung über Politik & Presse, Gewäsch & Geplapper, Dementis & Demenz und was des jede Vernunft peinigenden Unfugs noch so ist? Mitnichten. Kunst wird geboten - und zwar eine, die keck das Schöne als Gallionsfigur für das Kreuzen auf dem einschlägigen Markt sich erkoren hat. Was in vergangenen Jahrhunderten Philosophen und andere mit der Welt Zerstrittene zu bandwurmlangen Abhandlungen reizte, wird hier so mir nichts, dir nichts einfach in die Praxis erhoben. Zwei Frauen verschiedener Generationen wagten sich - unbeeindruckt von Fachgebietsgrenzen - an verwegene Querschnittsarbeiten aus Malerei, Ätz- und Siebdruck, Tuchmacherei und weiß der Teufel, woher noch ...

Nun hat angeblich hier mit der Epoche »Angie In The Kanzleramt« ein neues Zeitalter der Weiblichkeit begonnen. Man kann ja ab dem 13. Januar 2006 in der Vorortost-Galerie schon mal schauen, was entgrenzte Fraulichkeit an Schönheit so hervorzubringen in der Lage ist.

Frank Kasch

Ausgewählte Arbeiten


Petra Natascha Mehler, Exkursion, Mischtechnik auf Holz, 2006


Petra Natascha Mehler, Abwesenheit von Gebrauch, Mischtechnik auf Holz, 2006


Maria Köhler, Kürbis, Ölbild, 2005


Maria Köhler, Paradiesgarten, Sickerei, Chinaseide auf Seidenleinen, 2005


Petra Natascha Mehler, Exlover II, Pigmentdruck auf Leinen, 2004


Maria Köhler, Ägyptischer Garten, Acrylfarbe und versch. Stoffe auf grund. BW, 1999

Bilder der Ausstellungseröffnung

Pressestimmen

Malen mit der Nadel

Sehenswerte Textilkunst von Köhler und Mehler in der Galerie VORORTOST

Labyrinthe aus Fäden, Stoffen und Mustern - die Galerie VORORTOST widmet sich in der dritten Ausstellung der Reihe "Korrelationen" dem heute selten gepflegten Metier der Textilkunst. Mit der 71-jährigen Maria Köhler und der 28 Jahre jüngeren Petra Natascha Mehler stellen sich da zwei sehr unterschiedliche Künstlerinnen vor. Während die ältere Grimmaerin ganz traditionell Wandbehänge stickt, appliziert und in Öl malt, greift die jüngere Leipzigerin zum Siebdruck auf textilen Untergründen, Papier oder Holz. So werden zwei Enden eines großen Bogens beschrieben. Gemeinsam ist beiden die Passion, die sie gegenüber Stoffen entwickelt haben.

Maria Köhler appliziert, collagiert und druckt seit 30 Jahren auf und mit Textilien, vor allem aber "malt sie mit der Nadel". So umschrieb man in der Antike die Stickerei. Sie wurde als zauberhafte Möglichkeit angesehen, Ideen in Bildform auszudrücken. Ihre Themen findet Köhler in der christlichen Mythologie und in ihrem Alltag. So überträgt sie das "Labyrinth mit Kanincheninsel im Park von Valsanzibio", gesehen in Italien, beinahe naiv erzählerisch. Ihre Bildsprache ist ohne Hintergedanken, klar und dekorativ-klassisch. Ihre Arbeiten traditionell und wer sich damit einverstanden erklärt, den bewegen sie auf ihre Weise. So tritt neben den "Ägyptischen Garten" auch der "Paradiesgarten" oder das "Mädchen mit Taube". Mit Patchwork, Tambourstickerei, Applikationen, Stempeldruck und Collagen entwickelt Köhler Farb- und Formspiele, die erfrischend unkompliziert daherkommen und im positiven Sinne dekorativ sind.

Petra Natascha Mehlers Passion für Stoff bezieht sich nicht nur auf Untergründe ihrer Siebdrucke. Sie hat eine Versessenheit auf Muster, die sie unter anderem in Stoffen entdeckt, selber entwickelt, fortspinnt und völlig Neues damit kombiniert. Reizvolle Kontraste und Verwirrspiele baut Mehler auf. Die Befragung des Frauenbildes zwischen Spitzendeckchen und Lustobjekt ist zu spüren. Brüche in Harmonien und Vertrautem vollzieht sie sehr bewußt.

Mehler studierte in Halle (Burg Giebichenstein) und Bergen (Norwegen), erhielt mehrere Stipendien und Preise und lehrt seit sechs Jahren selbst. Ihre Arbeiten sind durch einen aktuellen Zugriff gekennzeichnet, sowohl in der Form- als auch der Bildsprache. Textilkunst heute, das ist ein Experimentierfeld, extrem erweitert gegenüber der Tradition, einerseits fast schon vergessen, andererseits doch spannend.

Christine D. Hölzig


LVZ-Artikel