Einladungskarte

KONKRETE KUNST 2

13.07. - 25.08.12

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KONKRET KUNST 2

Gefördert durch:

Beteiligte Künstler

Wolfram Ebersbach, Eberhard Dorschfeldt, Dirk Richter, Ingrid Sperrle, Cornelia Starke, Frank Tangermann, Susanne Werdin

KONKRETE KUNST 2

Ausstellungseröffnung am 13.07.2012
Rede von Birgit Rehme-Iffert

Diese Ausstellung zeigt die große Bandbreite künstlerischer Handschriften, welche unter der Bezeichnung „Konkrete Kunst“ zusammentreffen können.

Dirk Richters mehrfarbiges Holzobjekt, das Sie im vorderen Ausstellungsraum betrachten können, greift in sich die Gesetze der Farb- und Formenlehre auf, wie man sie bei Johannes Itten findet: von einem größer geformten, hell strahlenden und leicht wirkenden gelben Quadrat aus vollzieht sich stufenweise eine Verdichtung hin zur materiellen Schwere eines kleinen, gesättigt roten Quadrates, das sich am anderen Ende befindet. Damit ergibt sich eine Ausbalancierung der Gewichtung von Farbe und Form.
Seine Holzobjekte „Horizontale Turbulenz“ und „Reigen“ scheinen in ihrer Bewegung nahezu naturwüchsig geformt, so, als wäre der Künstler ganz der Sprache des Materials gefolgt, das fast pflanzenartig erscheint.
Die Holzskulptur „Quaderanschnitt“ aus Eiche wirkt, obwohl ihre Seiten ungleichartig sind, jede anders gestaltet ist, doch faszinierend in sich geschlossen, eine komplex austarierte, nicht-symmetrische Symmetrie darstellend.

Ingrid Sperrle erzeugt mit ihren Rost-Bildern, jeweils betitelt mit „Oxydation“, eine Monumentalität, die explizit einem dem Hochglanz entgegenstehenden Material gewidmet ist, das für Vergänglichkeit, zu Vermeidendes, ja Wegzuwerfendes steht. Aus dem Verfall des Eisens, an dem der Zahn der Zeit genagt hat, entsteht, wie aus jedem Zersetzungsprozess, der Boden für Neues. Eisen, als der chemische Zentralbestandteil des Blutes, steht auch in seiner Zerfallsform, dem Rost mit seiner warm glühenden Farbigkeit also, für Leben. Das zersetzte Eisen symbolisiert den Kreislauf des Lebens, indem in jedem Verfall der Keim von Werdendem und Entstehendem steckt.

Im Nebenraum unserer Galerie sind Werke von Cornelia Starke zu sehen. In ihrem monochrom weißen Bild ohne Titel exponiert die Künstlerin ebenfalls Brüchigkeit, das Zerplatzen und Abblättern des Materials als solches, und lenkt damit die Aufmerksamkeit auf ein Erscheinungsbild, das ansonsten überdeckt oder ganz entfernt anstatt in den Blickpunkt des Interesses gerückt wird. Lässt man den Blick weiter nach rechts schweifen, so entdeckt man zwei meditativ wirkende, wie Undinen-Unterwasserwelten anmutende Bilder in zartem Blau und in Türkis. An der darauffolgenden Wand reiben sich zwei monochrome Bilder in Rot in ihren nahe beieinander liegenden Farbtönen. Daneben verdichtet sich ein Bild mit seinem tiefem Schwarzblau, von Weißblau umrahmt und damit noch verstärkt, zu einem Blick-Magnet.

Betritt man von unserem Nebenraum aus den Flur, so empfangen einen große Kreise mit starker Wirkung, von Frank Tangermann gestaltet: der eine in ein Quadrat eingefügt und durch nahezu fluoreszierendes strahlendes Blau markiert, der andere als Kreis ohne Rahmen gebildet, bei dem die Tiefenwirkung durch den Einsatz von mattem und glänzendem Schwarz verstärkt wird. In seinem dreiteiligen Werk „Oval. Gelb III“, positioniert von hier aus links im Durchgang, scheinen die statischen Streifen des ersten Parts durch das in der Mitte befindliche, seitlich geneigte gelbe Oval wie verschoben zu werden zu denen im dritten Teil befindlichen Streifen hin – durch minimalistische Mittel entsteht der Eindruck von Bewegung. Tangermanns nahezu ganz in weiß gehaltenes Gemälde „Parallel. Linien Grau III“, erscheinend wie ein Hauch oder wie ein Hinweis auf das Nichts, lässt an Wassily Kandinskys Beschreibung in seinem Buch „Über das Geistige in der Kunst“ denken, wo das Weiß als eine Nichtfarbe charakterisiert wird, die, ähnlich den nicht abschließenden Pausen in der Musik, einen Raum voller Möglichkeiten eröffnet – hier angedeutet durch zarte, fast Nadelstrich-dünne Streifen.

Wolfram Ebersbach, bekannt für seine Städtebilder mit ihrer starken schwarzen Konturgebung, hat in seinen drei – hier gleich vorne – platzierten Werken Erscheinungen von Licht im Zusammenspiel mit architektonischen Strukturen festgehalten, sozusagen Licht-Blicke mit den Titeln „Parkhaus“, „Gegenlicht“ und „Schlaglicht“. Abstrahiert von der Realität, diese konstruktiv neu darstellend. Und doch real, weil hinsichtlich der situativ gegebenen Wahrnehmungsweise konkret.

Der im Anschluss an die Bauhaus-Tradition arbeitende Papier-Designer Eberhardt Dorschfeldt präsentiert plastische Objekte und Gebilde, die er immer aus nur einem Stück herstellt und kunstvoll faltet: Kuben z.B. oder sich kreuzende Kreuze als Grundelemente ergeben jeweils ein Ganzes. Hier werden Gesetzmäßigkeiten der Mathematik zur Grundlage genommen für Modelle von gestalteter Realität. Ausgestellt ist auch sein Entwurf für das Einheitsdenkmal.

In den Werken „Roter Kreis, weiß überlagert“, „Blauer Kreis, weiß überlagert“ und „Gelber Kreis, weiß überlagert“ von Susanne Werdin wird die Kunst der Andeutung äußerst fein und raffiniert ausgereizt und damit eine fast sakrale, ätherische Wirkung erzeugt. Die Betrachtenden werden zur aktiven Mitwirkung gebracht, indem die lediglich schemenhaft angedeuteten Kreisumrisse zum unwillkürlichen Ergänzen, zum Mit-Denken und Hinzu-Sehen motivieren.
Das beinahe unwirklich zarte Leuchten der jeweiligen Farben Blau, Rot und Gelb ist ebenfalls nicht in direkter Art und Weise erzeugt – sondern entsteht mittels Reflexion auf eigentlich nicht farbige Bildpartien. Dieser Widerschein wird von den umgebenden Seitenflächen indirekt in Form von farbig reflektiertem Licht hervorgerufen.
In ihrem Bild „Fuge mit Orange“ scheinen die bildkompositorischen Elemente, teils klar lackierte holzfarbene, teils schwarze und weiße, dynamisch vertikal ausgerichtete Rechtecke, so angeordnet wie die Entwicklung musikalischer Themen und die Bewegung melodisch-harmonischer Motive in einer Fuge, nämlich im Rhythmus der Fugen-internen Logik des Aufeinanderfolgens und Sich-ineinander-Verflechtens.
Beim vierteiligen Objekt „Runder Kreis XV“ erzeugen sich optisch aneinander reibende Oberflächenstrukturen, gezielt moduliert von rauh und/oder stumpf bis glatt und/oder glänzend sowie Abstufungen in dicht beieinander liegenden Farbwertigkeiten von tief gesättigtem Lachsrot bis Schwarz, ein Bild von Lebendigkeit in nahezu expressiver Komposition – und dies anhand von (für sich genommen) doch eher kühl wirkenden geometrischen Elementen. Die Reduktion der Mittel, d.h. der gekonnt platzierte Einsatz von Oberflächenstruktur, Form und Farbe, ermöglichen diese Verdichtung der Aussage. Eine glühende Optik des kräftig leuchtenden Lachsrot, wie sich aus dem Erdinnern heraus entwickelndes Magma, wird erzeugt durch ein Abstrahlen aus sich im Inneren des Werkes befindlichen, vertieften Flächen heraus in die Umgebung.

Ausgewählte Arbeiten


Susanne Werdin, „Roter Kreis XV“, 2012, Acryl, Holzwerkstoff, 4-teilig, 150 x 150 x 4 cm


Wolfram Ebersbach, „Parkhaus“, Topfenkasein, Papier, Jute, 63 x 96 cm


Eberhard Dorschfeldt, „Trieder“ Modell, Papier


Cornelia Starke, o.T., 2012, Acryl, Tempera, 60 x 60 cm


Dirk Richter, "Verlauf", 2012, Holzkonstruktion, Acrylfarbe


Ingrid Sperrle, „Oxydation“ 2007, Textil, 89 x 89,5 cm


Frank Tangermann, "Untitled. Still I" 2011, Acryl auf Leinwand, 100 x 100 cm

Ausstellungseröffnung

Pressestimmen


LVZ vom 16.7.2012


LVZ vom 3.8.2012