Einladungskarte

Günter Albert Schulz
Stationen

Malerei, Zeichnungen, Druckgrafik

26.08. - 24.09.2011

Die Galerie am Sachsenplatz, Katharinenstraße 11, zeigt vom 27. 08 - 22.10.2011 unter dem Titel "Klang der Farbe" eine weitere Ausstellung mit Arbeiten von Günter Albert Schulz.

Öffnungszeiten
Mittwoch – Samstag:
14 – 18 Uhr

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Stationen

Gefördert durch:

Aus der Rede von Rainer Behrends zur Ausstellung „STATIONEN“ am 26.8.2011 in der Galerie VORORTOST des BBK Leipzig

GÜNTER ALBERT SCHULZ

„Stationen“, diesen Titel trägt die Ausstellung mit Gemälden, Zeichnungen, farbigen Arbeiten auf Papier und Druckgrafiken des Malers Günter Albert Schulz. Es ist auch der Titel eines 1994 entstandenen Gemäldes, das in vier Abschnitten aufsteigend quasi Lebensstationen sinnbildhaft umschreibt, getragen von der Kraft der Farbe und der Beziehungshaftigkeit von Symbolen.

Die Ausstellung verfolgt nicht das Ziel, Lebensstationen des Künstlers nachzuzeichnen oder chronologisch der Entwicklung des Oeuvres zu folgen. Sie greift dafür wichtige, das Werk entscheidend bestimmende Stationen heraus, von den sechziger Jahren bis zu spätesten Schöpfungen vom Beginn des 21.Jahrhunderts. Die Arbeiten konnten überwiegend dem überreichen Materials des Nachlasses entnommen werden, ergänzt um wenige Leihgaben aus öffentlichem und privaten Besitz. Dazu ist wichtig zu wissen, dass diese Ausstellung, gewidmet dem neunzigsten Geburtstag des Künstlers, zeitgleich an zwei Orten präsentiert wird, jeweils eigenständig in sich und doch in direktem Bezug aufeinander: Ab heute hier in der Galerie VORORTOST des Bundes bildender Künstler Leipzig und ab morgen in der bekannten „Galerie am Sachsenplatz“, wo sich seinerzeit Hans-Peter Schulz in besonderer Weise der Pflege des Werkes von G. A. Schulz annahm, u.a. 1981 ihm eine Personalausstellung zum 60. Geburtstag widmete. Übrigens erleben Sie die erste Ausstellung in Leipzig nach seinem Tode 2004, vor einem Jahrzehnt, 2001 zeigte hier die Commerzbank unter dem Titel „Motivation Farbe“ Werke der neunziger Jahre.

Besonders sei erwähnt, dass erstmals nach Jahren wieder druckgrafische Arbeiten des Künstlers präsentiert werden. Druckgrafiken begleiten das malerische und zeichnerische Werk des Künstlers. Im Ausnahmefall kann ein druckgrafisches Werk auch als Kommentar zur aktuellen Arbeit des Malers verstanden werden. Das betrifft insbesondere die Ätzradierung „Im Atelier“ aus dem Jahre 1967 mit einem Selbstbildnis, Bildzitaten, auch Bildmotiven. Hingewiesen sei auf das Blumen-und Früchtestilleben links – widerspiegelnd das Gemälde mit Obstschale und dem Bildnis des Knaben mit der Papiermütze (beide Bilder sind in der Ausstellung zu sehen). Als Bildmotive seien erwähnt, das geöffnete Fenster mit seinen Spiegelungen, das Porträtgemälde auf der Staffelei oder die gemalte Aktstudie. Sozusagen hinter der Grafik sind Stationen des künstlerischen Werkes von Günter Albert Schulz verborgen: das bildnerisch aufregende Erlebnis Bulgarien in den Jahren 1956 bis 1958 und ebenso das Kontemplation und bildnerische Disziplin fördernde Erleben der Landschaft um Feldberg ab 1963. In diesem Jahr entstand das hier gezeigte Selbstbildnis in nahezu ganzer Figur. Es markiert wichtige Eigenschaften des Künstlers und seiner bildnerischen Haltung. Einerseits die quasi als Silhouette vor einer leeren Wand erscheinende Gestalt des Malers, eng geschlossen in straffem Umriss, unbewegt, fast statuarisch stehend, beobachtend. Andererseits die selbstsichere und entschlossene, aber auch distanzierte Haltung. Im Bilde wurden bildnerische Erkenntnisse manifest, die anzeigen, dass er die Position eines akademischen Malers nach seinen Studien an der Leipziger Akademie für grafische Künste und Buchgewerbe von 1942 bis 1944 bei den Professoren Hans Soltmann und Bruno Héroux hinter sich gelassen hat. Sie war bestimmt durch zeichnerische Prägnanz, Modellgebundenheit. und Detailtreue, malerisch eher verhalten und in Tonschritten gebunden. Seine Lehrer hatten ihm gute anatomische Kenntnisse vermittelt, die er später autodidaktisch konsequent weiter vervollkommnete und so ein excellenter Beherrscher der Anatomie von Menschen, aber auch von Tieren wurde, besonders wohl von Pferden. Ebenso blieb ihm über Jahrzehnte hinweg intensiv gepflegtes Aktstudium ein Anliegen ständiger Schulung für Struktur, Bau und Bewegung von Körpern. Das erklärt, warum Akt und Figur in allen Phasen seines Werkes zu finden sind und selbst im anscheinend nonfigurativ bestimmten Spätwerk der neunziger Jahre immer wieder Figurenbilder entstanden sind, oft anknüpfend an Motive zurückliegender Jahre. Von daher lässt sich behaupten, dass sein ganzes Oeuvre, bei allen Wandlungen und auf den ersten Blick miteinander unvereinbar erscheinenden bildnerischen Positionen, eine Einheit bildet. „Der Blick des Malers richtet sich nicht auf Draußen, sondern auf das, was im Bilde zur Erscheinung gelangen will. Die ordnende Arbeit am Mittel ist die eigentliche künstlerische Arbeit. Für den Künstler gilt das Primat der bildnerischen Mittel.“ Diese Sätze schrieb er in den sechziger Jahren nieder, als er begann, tagebuchartige Notate aufzuzeichnen. Später wird er diese Gedanken weiterführen und nennt als Aufgabe und Ziel: „Formale Zügelung, Vereinfachung und Verfestigung des Bildbaues,... überzeugen durch malerische Geschlossenheit,... [Schaffung eines] bildnerischen Gleichnisses.“ [...]
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Ausgewählte Arbeiten


Pferd auf rotem Grund, 2003, Acryl / Hartfaser, 70 x 100 cm


Kopf an Kopf, 1998, Acryl / Hartfaser, 100 x 70 cm


Judas I. 1989, Wasserfarbe / Öl / Ölpastell / Leinwand, 100 x 80 cm


Stehende am Fenster, 1992, Öl / Karton, 45 x 34 cm


Im Atelier, 1967, Radierung, 19 x 40 cm


Figur vor drei Kreuzen. 1992, Öl / Papier / Collage m. Holzspänen. a. Papier. 71 x 57 cm


Martin und Bettler I, um 1985/86, Radierung, 18 x 14 cm

Im Rahmen der Ausstellung fand ein Vortrag über Stiftungsgründung am 31.08. 2011, um 19 Uhr, in der Galerie VORORTOST statt:
Barbara Ditze „Die eigene Stiftung für den Künstlernachlass“ - Überblick und Anforderungen an eine Stiftungsgründung.

Ausstellungseröffnung

Pressestimmen


LVZ vom 7.9.2011