AKTUELLES

Was lange währt ...
Aktivitäten zur Vor- & Nachlasspflege beim BBK LEIPZIG e. V.

Schon seit 2007 sind unterschiedlichste Aktivitäten und Veranstaltungen zum Thema Wahrung und Schutz bildkünstlerischer Vor- und Nachlässe in Leipzig zu resümieren. Darunter 30 Ausstellungen (2007 - 2015); Vorträge u.a. zu den Themen Erbrecht (2010) und Stiftungsgründungen (2010, 2014); Gesprächsrunden mit Vertretern von Museen, Kunstsammlungen, Förderinstitutionen und Galeristen; Inventarisierungen (u.a. die Nachlässe von Edith Müller-Schkeuditz, Roland Frenzel) sowie Vermittlungstätigkeiten an öffentliche Sammlungen wie z.B. an das Deutsches Buch und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek (Rosemarie-Kaufmann-Heinze), das Stadtgeschichtliche Museum (Arnd Schultheiß), die Kunsthalle der Sparkasse (Brigitte Poredda, Rosemarie Kaufmann-Heinze, Prof. Frank Ruddigkeit) und das Zeitgeschichtliche Forum (Klaus Zürner).

Eine besondere Herausforderung bildete seit 2009 die Standortfrage. Neben Schloß Hubertusburg (Wermsdorf) wurden vier weitere Immobilien auf ihre Tauglichkeit geprüft: Die Papierfabrik in Trebsen, das Westwerk in Leipzig-Plagwitz und ein früheres Gebäude der Blindow-Schulen sowie ein denkmalgeschütztes Fabrikgebäude im Bauhausstil unweit des Leipziger Hauptbahnhofs in der Dessauer Straße. Ungeklärte wirtschaftliche Fragen, architektonische, d.h. bauliche und klimatische Gesichtspunkte sowie bürokratische Herausforderungen ließen unsere Suche nach einem Ort mit Perspektiven für die Archivierung und Lagerung sowie eine lebendige Präsentation von Vor- und Nachlässen scheitern.

2014 hat der BBK LEIPZIG e. V. für sein Vor- und Nachlassprojekt einen Raum (25 m²) im Leipziger Museum für Druckkunst angemietet. Der sichere und gut klimatisierten Ort ist mit einem neuen Regalsystem für (größere) Gemälde, einem robusten Zeichenschrank und zwei größeren Arbeitsflächen ausgerüstet. In Absprache mit der Direktorin, Frau Dr. Susanne Richter, ist der Zugang im Rahmen der regulären Öffnungszeiten des Museums möglich. Den Kern unseres Archivs bilden Tafelbilder der Leipziger Malerin Brigitte Poredda und ein Hauptteil des grafischen Nachlasses von Rosemarie Kaufmann-Heinze.

Mit Arbeiten der beiden genannten Künstlerinnen wurden inzwischen erfolgreiche Ausstellungen im "4D" Projektort des BBK LEIPZIG e. V. bestritten. Einen Besucherrekord verzeichneten wir bei der zweiten Auflage unseres „ZEITFENSTER-Projektes". Auf Einladung der boesner GmbH gastierten wir im Spätsommer 2014 auf dem Areal der ehemaligen Leipziger Baumwollspinnerei. Neben teils noch nie gezeigten Arbeiten von R. Kaufmann-Heinze und B. Poredda präsentierten wir dort mehrere Bilder des 2014 verstorbenen Malers Thomas Erich Weise. Prof. Frank Ruddigkeit wurde innerhalb dieser Exposition eine besondere Würdigung anlässlich seines 75. Geburtstages zu Teil.

Der BBK LEIPZIG e.V. verpflichtet sich, aktiven Umgang mit den übernommenen Arbeiten zu pflegen. Neben regelmäßigen Ausstellungen ist sein Bestreben, einzelne Arbeiten aus Vor- und Nachlasskonvoluten an öffentliche Sammlungen zu vermitteln. Junge Wissenschaftler werden bei der Inventarisierung hinzugezogen. Gerade jetzt bahnt sich ein guter Austausch zwischen dem Leipziger Institut für Kunstpädagogik und dem BBK LEIPZIG e.V. an.

Wie die Kunstarchive in Beeskow, Hamburg und Mannheim, die seit den letzten Jahren zu unseren unverzichtbaren Netzwerkpartnern gehören, versuchen auch wir durch regelmäßige Ausstellungen aus Vor- und Nachlässen bekannter oder (wieder) zu entdeckender Künstler für unser Projekt zu werben. Während der Ausstellungen werden Führungen angeboten, auch um weitere Sponsoren und Helfer für unser Projekt zu gewinnen. Eine größere finanzielle Unterstützung erhalten wir aktuell aus den Reihen des Förderkreises des „BBK LEIPZIG" e.V., der sich seit 2014 dem Vorlass- und Nachlassprojekt besonders verpflichtet fühlt. Der BBK LEIPZIG e. V. wird zudem über eine institutionelle Förderung durch die Stadt Leipzig unterstützt, die an dem Projekt sehr interessiert ist. Dr. Stefan Schulze (wiss. Mitarbeiter) und Maria Melms (Geschäftsleitung) sind mit dem Projekt betraut. Ohne ein großes ehrenamtliches Engagement wäre das Projekt in seinem Umfang nicht umsetzbar.

In der praktischen Arbeit wird zuerst Kollegen ohne familiären Rückhalt geholfen, die ihre Ateliers plötzlich verlassen müssen (Kündigung des Mietverhältnisses; gesundheitliche Gründe). Desgleichen wird Angehörigen verstorbener Kollegen geholfen, die das Atelier aufgeben müssen. Praktische Hilfe bedeutet: Kunst sichern, transportieren, einlagern – aber auch aufräumen und entrümpeln. Ganz wichtig sind rechtliche Beratungen geworden. Als gemeinnütziger Verein sind wir vorsichtig mit der Annahme übereigneter Kunstwerken aus Vor- und Nachlässen, so dass alle in unserem Archiv befindlichen Arbeiten zur Zeit Eigentum des jeweiligen Künstlers oder dessen Erben sind. Unsere Aufgabe sehen wir im Vermitteln.

Zum lebendigen Umgang gehört auch die Nutzung digital aufbereiteter Vor- und Nachlässe. Es ist vor allem der Landesverband Bildende Kunst (LBK) Sachsen e. V., der sich mit dem Aufbau einer gesamtsächsischen Objekt-Datenbank befasst. Bei allen Anfragen, die aktuell an uns herangetragen werden, ist es von großer Bedeutung darauf hinzuweisen, dass wir mit einem Teil- bzw. dem Kernwerk eines Vor- oder Nachlasses arbeiten. So gibt es konkrete Anfragen von Günter Brendel (Vorlass), der uns seine gebrauchsgrafischen Entwürfe, z.B. Plattencover, übergeben wird. Arnd und Ingrid Schultheiß (Vorlass) kontaktierten uns bzgl. ihrer Collagen, Zeichnungen bzw. Buchgestaltungen. Für Dietrich Gnüchtel (Vorlass) vermitteln wir Kontakte an die Universität für die Erstellung seines Werkverzeichnisses. Im Juli diesen Jahres konnte man sich im "4D" Projektort noch nie gezeigte Zeichnungen anlässlich des 95. Geburtstages von Paul Zimmermann ansehen. Wir stehen ferner in engem Kontakt und intensivem Austausch mit der Prof.-Gerhard-Kurt-Müller-Stiftung. Zum 100. Geburtstag von Hans Mayer-Foreyt im nächsten Jahr liegt uns eine Anfrage zur Veranstaltung einer Jubiläumsausstellung vor. Bei den Vorbereitungen sind wir gern behilflich. Zudem wird es noch 2015 eine weitere Gruppenausstellung mit Arbeiten von Elfriede Ducke (Plastik, Nachlass), Heinz Mäde (Malerei, Nachlass), Ingolf Schelhorn (Malerei, Nachlass) und Inge Wunderlich (Malerei, Vorlass) auf der Baumwollspinnerei geben.

Für dieses und nächstes Jahr zeichnen sich neben den vermittelnden und aufbereitenden Prozessen weitere Übernahmen von (Teil-)Vor-&nachlässen ab. Im Museum für Druckkunst wird es dann schon eng! Vielleicht besteht in späterer Zeit die Möglichkeit der Erweiterung der Nutzungsbereiche im Museum. Oder es besteht eine Ausweichmöglichkeit in Nebengelasse des Oberlausitzer Schlosses Königshain, für deren Nutzung als Archiv sich der LBK Sachsen e. V. seit dem letzten Jahr stark macht.