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Einladungskarte

Günter Horlbeck - Blühendes Auge

Ausstellung zum 80. Geburtstag

Malerei, Zeichnung und Grafik

10.8. - 12.9.2007

Günter Horlbeck - Blühendes Auge

Aus der Einführungsrede zur Ausstellung „Günter Horlbeck – Blühendes Auge“ am 10. August 2007

In der Auseinandersetzung mit und der Reibung an künstlerischen Positionen im 20. Jahrhundert, zuvörderst mit dem deutschen Expressionismus, vor allem jedoch mit der internationalen Kunst der Klassischen Moderne in Frankreich, fand er seinen künstlerischen Weg, formulierte er seine Mittel bildnerischen Ausdrucks, seine „Sprachmittel“. Daraus folgte eine gewisse Unabhängigkeit seiner Kunst, die sich nicht der Wirklichkeit der Zeit verschließt, wohl aber sich dem Abbild verweigert, statt dessen Zeichen schafft und Metapher erfindet, ein Gestalten aus der Phantasie, assoziativ bauend auf innerer Erfahrenswelt. „Jede bildnerische Äußerung ist aus und in dieser Wirklichkeit gemacht, so sind auch ihre Wirkungsformen zu verstehen. Im Bild sehe ich ein künstlerisches Gefüge als Analogie zur Wirklichkeit. Der sinnliche Reiz des Materials provoziert dessen Überwindung zum Geistigen hin“, notierte Günter Horlbeck, die Verwurzelung und zugleich Autonomie seines Schaffens unterstreichend. Intensive Beschäftigung mit Philosophie und Psychologie / Psychoanalyse begleitete die Ausbildung seiner bildnerischen Mittel und schuf ihnen zugleich das Fundament. Seine Entwicklung und sein Werk markieren einen Sonderweg der Aufarbeitung der Kunst der Klassischen Moderne in Deutschland, dem kaum Vergleichbares zur Seite gestellt werden kann. Zu bedenken und würdigen bleibt dabei, dass er dies aus der besonderen Situation und den eingeschränkten Möglichkeiten der DDR heraus vermochte. Stationen dazu waren die Begegnungen mit Meisterwerken der französischen Moderne in Prag, Moskau und St. Petersburg in den sechziger Jahren, vor allem jedoch 1983 eine Reise nach Paris. Dort traf er sozusagen auf lang ersehnte Verwandte, besonders erwähnt seien Kandinsky und Delaunay, natürlich neben dem ihm längst vertrauten Picasso. In der Begegnung mit den Originalen bot sich ihm die Bestätigung dessen, was er sich in seinem Schaffen innerhalb von drei Jahrzehnten erarbeitet hatte. Nun fühlte er sich, bildhaft gesprochen, in die Freiheit entlassen. So erklärt sich die geradezu eruptive Vermehrung seines malerischen Werkes in den achtziger Jahren, das bereits seit Mitte der siebziger Jahre das Zentrum seines Schaffens bildete. Zwischen den genannten Daten liegt 1966 die für den Künstler wesentliche Begegnung mit der erstmals 1947 erschienenen Schrift “Das Unbekannte in der Kunst“ des Malers Willi Baumeister, in Westdeutschland die „Verteidigungsschrift moderner Kunst schlechthin“, im Osten Deutschlands nicht verlegt und als Häresie betrachtet, eine Berufung darauf nachgerade suspekt, wurde sie ihm Bestätigung der eigenen Position. Darin findet sich auch jener Begriff, der für Günter Horlbecks Kunst generell ein zentraler wurde: „selbstgezeugte Vision“. Bildet doch den Kern seines Schaffens nicht das Abbild äußeren Geschehens, vielmehr das Gesehene, zu begreifen als das von der Person des Künstlers vollkommen subjektiv aufgenommene, in seiner Psyche reflektierte und seinem „inneren Auge“, von ihm als „drittes Auge“ apostrophiert, das alle Sinne einschließt, anverwandelte Bild, eine Vision aus persönlich Erfahrenem, Erahntem, gepaart mit Unbewusstem, kurz in der Realität so nicht zu Treffendem, wohl aber im Geistigen wahrhaft und im quasi Tagtraum-Zustand existent. In Anhängigkeit von Innerem und Äußerem wechseln dabei die Elemente ständig.

Bildhaftigkeit erscheint im Oeuvre von Günter Horlbeck als Prinzip stetiger Veränderung und nicht der Wiederholung. Daraus folgt, dass Sprünge und Brüche sein Werk durchziehen an Stelle vielleicht erwarteter Kontinuität in der Entwicklung bildnerischer Mittel. Es kann geradezu von einem „Prinzip der Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen“ gesprochen werden.

® Rainer Behrends, August 2007

Ausgewählte Arbeiten


Günter Horlbeck, „Figurative Konstruktion“, 1987/90, Öl/Hartfaser


Günter Horlbeck, „Die Anverwandlung“, 1978, Radierung


Günter Horlbeck, „Stilleben Okeanos“, 1976, Radierung


Günter Horlbeck, „Roter Fluss“, 1980, Öl/Hartfaser


Günter Horlbeck, „Kleines Universum“, 1988, Öl/Hartfaser


Günter Horlbeck, „Carretino“, 1998/99, Öl/Leinwand

Bilder der Ausstellungseröffnung

Pressestimmen


Beitrag der LVZ